Haben diese Fälle auch mit Katrin zu tun?

Fünf junge Mädchen, die verschwanden und von denen, bis auf Annette Peus, vier bis heute nicht gefunden wurden. Die Gemeinsamkeiten ihres Verschwindens liegen unter anderem darin, daß alle fünf an öffentlichen Straßen "weggefangen" wurden, alle nachmittags. Es ist somit nicht auszuschließen, daß ein autofahrender Sextäter die "Gelegenheit" nutzte und "Beute" machte.

Annette Peus15 Jahre jung, 158 cm groß, mittelblonde, mittellange Haare, verschwand am 29. September 1996 gegen 17.35 Uhr in Mardorf (Steinhuder Meer) im Bereich der Bushaltestelle Erlenweg.

Hilal Ercan10 Jahre jung 145 cm groß, lange, schwarze Haare, verschwand am 27. Januar 1999 gegen 13.30 Uhr in Hamburg, Stadtbereich Lurup, Spreestraße.

Anita Richter14 Jahre jung, 160 cm groß, lange, mittelblonde Haare, verschwand am 11. Juni 1999 gegen 18.00 Uhr  drei Tage vor ihrem 15. Geburtstag (14. Juni 1984) in Schwerin im Bereich der Straßenbahnhaltestelle Staufenbergstraße.

Sandra Wißmann: 12 Jahre jung, 160cm groß, lange, dunkle Haare verschwand am 28. November 2000 gegen 16.40 Uhr in Berlin- Hellersdorf im Bereich Cottbusser Damm.

Katrin Konert15 Jahre jung 160 cm groß, mittellange, schwarze Haare, verschwand am 1. Januar 2001 gegen 19.20 Uhr in Bergen/Dumme (Wendland) im Bereich der Bushaltestelle Neue Straße/Heckenweg.

Annette Peus wurde am 17. Oktober 1996 nackt und vergewaltigt in einem Maisfeld etwa 800 Meter vom Elternhaus entfernt ermordet aufgefunden. Der Täter hinterließ seine D N A , doch die Überprüfung von rund 4500 Männern erbrachte keinen Treffer. Die Vielzahl der Tests sagt, daß die Ermittler mit der Stange im Nebel stochern.

Hilal Ercan wurde bis heute nicht gefunden. Ein 31jähriger, wegen Kindesmißbrauchs im Jahr 2000 zu sieben Jahren Haft verurteilter Mann, gestand im April 2005 nach "mehreren Anläufen" im Polizeiverhör die Tat. Die gemachten Angaben über den Ablageort von Hilal führten jedoch nicht zu der Leiche, und er widerrief sein Geständnis. Daher ist auch hier noch alles offen.

Zu Anita Richter gibt es keine verwertbaren Spuren.

Zu Sandra Wißmann gibt es keine verwertbaren Spuren.

In der Vermißtensache Katrin Konert wurde mit einer Grundrecherche begonnen, die bisher noch nicht abgeschlossen ist.

Die erste grobe Zusammenfassung:

Katrin verließ am Nachmittag des 1. Januar 2001 gegen 14.55 Uhr das Elternhaus in Groß Gaddau. Eingesteckt hatte sie sich nur vier bis fünf vorher geschriebene "Briefzettelchen", ihren Red-Bull-Tabak und das One-Touch-Easy-Handy von Alcatel, das sich mit großer Wahrscheinlichkeit in einer schwarzen Handytasche befunden hat. Eine Straße weiter wartete ihr 15 Jahre älterer Freund Hansi im Auto. Mit im Wagen saß der Fahrzeughalter, da Hansi zu der Zeit kein Fahrzeug hatte. Zwischen 17.30 Uhr und 18.00 Uhr verschickte Katrin mehrere SMS an Bekannte, um ihre Rückfahrmöglichkeiten auszuloten, außerdem um über ihre Schwester Mandy den Eltern ihre Rückkehr zu Hause für 19.00 Uhr anzukündigen.

Gegen 18.30 Uhr wollte Katrin nach einem verbalen Streit mit ihrem Freund nach Hause. Hansi gab ihr Taxigeld, bekam es nach seinen Angaben an den Kopf geworfen. Sie verließ die Wohnung und ging von der Bahnhofsstraße 2 auf der Breiten Straße in Richtung Neue Straße bis zur Bushaltestelle Heckenweg. Auf dieser Strecke wurde sie von mehreren Personen gesehen, an der Bushaltestelle noch angesprochen. Den Vorschlag von einem Bergener Fiat-Fahrer, sie nach Groß Gaddau zu fahren, lehnte sie ab. Erstaunlich, da sie ihn kannte, das Wetter alles andere als freundlich war, kein Bus mehr fuhr und die angekündigte Heimkehrzeit von 19.00 Uhr nicht mehr weit war. Ein zweites Fahrzeug mit Jugendlichen fuhr wegen "Stutenbissigkeit" vorbei. Diese gesamten Beobachtungen ergeben ein "Zeitfenster".  Daher kann als sicher gelten, das Katrin zuletzt lebend gegen 19.20 Uhr am Heckenweg/Bereich Bushaltestelle gesehen wurde.

Das "Abklopfen" der Kontaktpersonen ergab keinen konkreten Tatverdacht zum Nachteil von Katrin.

Dann die Vermutung, daß Katrin von Unbekannt verschleppt wurde und sich in Casablanca im Puff befindet...

Ebenso schließen wir jetzt aus, daß sie es in den Kopf kriegte und und einfach abgehauen ist.

Nach nunmehr fünfeinhalb Jahren gehen wir von einem Tötungsverbrechen aus.

Die drei wahrscheinlichsten Möglichkeiten wie Katrin weggefangen worden sein kann:

1. Ein motorisierter ortsfremder Sextäter/Gelegenheitstäter nahm sie mit (z.B. Marc Hoffmann).

2. Ein motorisierter ortsansässiger Gelegenheit Triebtäter nahm sie mit.

3. Ein nichtmotorisierter Ortsansässiger verschleppte sie.

Nach dem Abwägen aller uns bekannten Umstände, (Jahreszeit, Gegend, Uhrzeit, Wetter) ist die Variante 1 die unwahrscheinlichste. Variante 2 ist den örtlichen Gegebenheiten nach sehr wahrscheinlich. Wobei das Verschleppen ohne Pkw (Variante 3) über den Heckenweg ebenfalls gut möglich ist. Eigene Beobachtungen zu unterschiedlichen Tageszeiten in diesem Bereich zeigten das deutlich auf.

Bei Variante 2 bleiben nach unseren Recherchen nur zwei mögliche Tatverdächtige, die nicht aus Bergen stammen, übrig.

Bei Variante 3 sind zur Zeit keine Tatverdächtigen auszumachen.

Zu allen bisherigen Recherchen eine Anmerkung:

Keine der von uns gestellten Fragen war neu oder einzigartig. Alle befragten, relevanten Personen wurden bereits von der Polizei befragt. Die Polizei hat in diesem Zusammenhang einen sauberen Job gemacht. Sie hat mehr angestellt, um Katrins Schicksal zu klären, als andere Polizeiinspektionen es selbst in Mordfällen getan haben. Damalige mögliche Tatverdächtige wurden mit Maßnahmen überzogen, die dennoch zu keinem Ergebnis führten.

Ist der Täter nun ein Hanibal Lektor? Ein Superhirn? Mit Sicherheit nicht. Geschützt hat ihn bisher nur, das Katrin noch nicht gefunden wurde. Ist das Opfer vorhanden, ist auch der Tätertyp einzuschätzen. Daher: Er ist nur durchschnittlich intelligent, besitzt eine ausgeprägte "Bauernschläue". Zu jungen Mädchen fühlt er sich schon lange hingezogen, kann aber nicht wirklich ausleben. Katrin war ein Zufallsopfer, die Tat war nicht geplant. Doch seine Fähigkeiten reichten, um sie fast fünfeinhalb Jahre zu verbergen.

Aufgrund des Wetters am Abend des 1. Januar 2001 bleiben nur zwei Möglichkeiten, wie und wo Katrin verborgen werden konnte. Naheliegend ist zum Beispiel ein umgedrehter Weidetrog, Tiefbrunnen, Holzstoß, eine alte Frontlader-Schaufel, die alte Ladefläche vom Ackerwagen oder ein sonstiger Gegenstand, der als Versteck geeignet und im möglichen Aktionsradius des Täters liegt. Eben ein Versteck, wo sie nicht durch Füchse, Dachse, Hunde oder Wildsauen (Bachen) freigelegt werden kann.

Die zweite Möglichkeit besteht darin, das der Täter sie in einem ihm bekannten leerstehenden Schuppen/Gebäude/Gebäudeteil verborgen hat. Dabei ist nicht auszuschließen, daß vor den Polizeiaktionen (3/4. Januar 2001) eine Verlagerung stattgefunden hat, die dann nicht mehr zeit- und wetterabhängig war. Somit kommt dann auch ein Vergrabungsort in Betracht. Den Bereich nehmen wir mit maximal 15 Kilometer an.